Muttertag in Deutschland

„Es gibt keinen Weg eine perfekte Mutter zu sein, aber es gibt 1000 Wege eine liebevolle Mutter zu sein“

Ich glaube dieser Satz gilt für meine Mutter genauso wie für mich. Letztes Jahr hatte ich ja den ägyptischen Muttertag genutzt, um mich ein kleines Stück mit meiner Rolle als Kind meiner Mutter auseinander zu setzen. Heute ein Jahr später, versuche ich jetzt gerade all meinen Mut zusammen zu sammeln, um die Sicht als Mutter zu meinen 3 Söhnen zu betrachten….Und das ist bei weitem nicht so glanzvoll

Als ich zum ersten mal mit 19 Schwanger wurde, wollte ich nur eins…. Dieses Kind wird ein glückliches Kind….Thomas
Mit 21 wurde ich wieder schwanger, schon weniger Euphorisch aber gefangen in meiner Welt, auch wieder nur ein Ziel… Dieses wird ein glückliches Kind….Julian
Mit einem gewalttätigen Alkoholiker, der pädophile Züge aufweist, leider kein leichtes Ziel. Natürlich war das in den Augen meiner und seiner Familie nur meine Schuld, denn ich war ein Versager und kann einfach gar nichts richtig machen…. Wie verhält man sich in so einer Situation? Ich habe durchaus gespürt, das es nicht richtig war und trotzdem wollte ich an einem Familientraum festhalten, den es wohl nie gab (ausser in meinen Träumen) Dummerweise habe ich dann, um die ganze Situation noch zu verschärfen (die Kinder waren 5/3) auch noch zum ersten Mal in meinem Leben, darüber gesprochen, das mein Onkel mich missbraucht hat…. Das war wirklich ein schwerwiegender Fehler in dieser Zeit und in diesem Umfeld… das Ende der Ehe landete im Frauenhaus und mit Scheidung. Leider war der Druck, wegen der Scheidung und meiner Plapperei über den Missbrauch so groß, das ich diesen nicht mehr halten konnte. Meine Mutter und Familie in einem Ton “ Es ist deine Schuld, du Hure vernichtest auch alles“ ( Das ist nur ein Beispiel von den Aussagen) Ich bettelte im Frauenhaus, beim Hausarzt um Hilfe…. Anscheinend nicht laut genug….denn immer wieder nur Antworten „Du bist jung und hübsch, das wird schon wieder“ „Stell dich nicht so an, das wird schon wieder“ “ Wer weiß, wie du dich aufgeführt hast, damit das passieren konnte“
Ergo, ich versank in der Schuld, andere Menschen allein mit meiner Anwesenheit in Verderben zu stürzen…. Was mich zu der Gewissheit brachte, ich kann gar keine gute Mutter sein und werde die Kinder nur ins Unglück stürzen. Also versuchte ich mir das Leben zu nehmen….
Zwei Tage später bin ich im Krankenhaus wieder aufgewacht und bekam einen Freifahrtsschein in die Psychatrie (geschlossene), das Jugendamt wurde eingeschaltet und die Kinder landeten in einer Pflegefamilie. Ich hatte für ein paar Tage echt das Gefühl, mir wird endlich geholfen…. Leider musste ich bald feststellen, das Tabletten und diese „Experten“ mir und damit eben auch den Kindern nicht weiterhelfen. Im Gegenteil, ich wurde dann noch zusätzlich als „irre“ abgestempelt… Es war wirklich ein ständiger Kampf zwischen allen und alles was ich wollte war doch nur ein „normales Leben“ Egal was ich versuchte… ging ich arbeiten, war ich eine schlechte Mutter, die sich nicht um die Kinder kümmert. War ich zu Hause, war nicht genug Geld da und mir wurde nachgesagt, ich wäre faul und ein Schmarotzer…. Ich fühlte mich immer hin und her, zwischen „Ich kann das schaffen, aber ich weiß nicht wie“ Und den Aussagen meiner Mutter (Familie) “ Du bist und bleibst ein Versager“
Irgendwann habe ich den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen und bin umgezogen, doch der Rest blieb.

Neues Jahrtausend, im Januar 2000 wurde dann mein dritter Sohn Jean Michel geboren…. und jetzt war ich mir Sicher, diesmal wird alles anders. Ich genoß zum ersten Mal schwanger zu sein… denn niemand stand hinter mir und hat mir erklärt, das es sein Recht ist fremd zu gehen, weil ich fett und häßlich wäre. Ich war so sicher, das ich jetzt alles richtig machen kann… was ich natürlich nicht geschafft habe. Auch wenn ich mit dem Vater nicht als Paar zusammen leben würde und könnte, da er spielsüchtig war und mir alles Geld geklaut hat… Ich zog die Konsequenzen, suchte Hilfe beim Jugendamt…. Es lief eine Weile für meine Verhältnisse richtig gut und ich war optimistisch bis wieder ein Mann in mein Leben trat, mit dem ich noch weiter weg ziehen wollte ( blöderweise auch tat)
Also beantragte ich das alleinige Sorgerecht, damit es wegen Unterschriften und solchen Sachen nicht immer im Kampf enden würde. In keinster Weise hatte ich vor, das Besuchsrecht einzuschränken oder zu unterbinden. Aber na ja, wer glaubt denn einer „irren Lügnerin“ Aber gut, mein Exmann hatte bis zum Tag der Verhandlung keine Reaktion gezeigt und mein Anwalt meinte, das geht dann auch alles gut. Fehlanzeige, die Kinder wurden befragt und danach getrennt… Thomas wollte und kam zu mir, Julian hatte sich für Papa entschieden ( 5jährige kann man eben leicht mit Geschenken überzeugen) und wechselseitigen Besuchsrecht was vom Jugendamt überwacht wurde. Irgendwann fiel mir auf, das dieses Modell mehr Schaden anrichtet, wie es funktioniert. Ich sah, das die Kinder durch diese „Hetze“ unserer Familien über mich vollkommen aus dem Ruder bringen. Sie befanden sich in 2 Welten. Ich versuchte es wieder mir Hilfe zu holen.. Fehlanzeige… Der Vater kümmert sich doch rührend und ich bin diejenige die sich einfach nicht zusammen reißen kann. Ehrlich, ich weiß bis heute nicht genau, was ich alles noch schlucken sollen oder schön reden…. Also traf ich die Entscheidung, auf mein Besuchsrecht mit Julian zu verzichten, damit er wenigstens in einer Seite der Welt ruhe finden kann. Ich war in diesem Moment wirklich in der Hoffnung es wäre besser, wenn er das ganze schlechte über mich glaubt anstatt jede Woche in einen Konflikt geworfen zu werden. Wie ich heute weiß, hab ich ihn damit in seine eigene „Gewalthölle“ geschickt, aber ich glaub das ist eine eigene Geschichte.

Schweren Herzens, aber trotzdem optimistisch, das jetzt alles gut wird, zog ich mit Thomas, Jean Michel und meinem Superfreund nach Sachsen… Leider wurde ich gleich eines Besseren belehrt, als wir ankamen. Ich bin heute noch erstaunt wie schnell sich ein Mensch ändern kann, von gutherzig auf abgrund tief böse. Wieder mal gefangen in einer Welt aus Demütigung, Psychoterror saß ich in einer fremden Stadt und fühlte mich mehr als schuldig und alles was man mir als Versager jemals erzählt hat, wurde mir nun bestätigt. … und trotzdem war da die Stimme in mir, das ich die Kinder da raus bringen muss…
Also hab ich einen FLuchtplan geschmiedet und hab eines Tages all meinen Mut zusammen genommen und bin nach Berlin zu meiner Schwester geflüchtet. Mit dem Ergebniss, das mir wieder erklärt wurde wie undankbar und dumm ich doch bin. Der gute Mann tut alles für mich und die Kinder und ich mach alles kaputt. Also bin ich wieder zurück, mit dem Ergebniss, das er mich ein paar Wochen später fast erschlagen hätte und die Kinder alles mitbekommen haben. Ich weiß bis heute nicht, was schlimmer war? Aber das war der Punkt an dem selbst meine Mutter mir mal geholfen hat, in dem ich dann bei ihr unter gekommen bin und auch relativ schnell eine Wohnung fand. In dem gleichen Haus wie sie…
Ergo, ich hatte Partnergewalt wieder eingetauscht gegen Mütterliche.
Es sind so viel Dinge passiert in diesem Jahr, die sprengen hier den Rahmen.

Aber ich hatte wie immer Glück im Unglück und traf endlich mal Therapeuten, die mir geglaubt haben und mir sehr sehr viel weiter geholfen haben. Vielleicht war die Zeit danach nicht wirklich perfekt, aber ich habe wirklich versucht, das Beste für meine Kinder zugeben. Heute weiß ich, das nicht jeder der helfen will, es auch kann. Das Menschen, ob Jugendamt oder sonst ein Schlaumeier nicht wirklich helfen, wenn sie nicht wollen, nicht können oder einfach nur keine Ahnung haben oder es schlicht und einfach nur um Geld geht…. Hätte ich öfter mal auf mein Bauchgefühl gehört, wer weiß….

Heute ist nun Muttertag, ich schreibe diesen Betrag mit dem wissen, das mich keine Grüße erreichen… vielleicht von Julian, denn wir haben mittlerweile wieder Kontakt und konnten doch ein paar Dinge klären.
Aber Thomas und Jean Michel verachten mich aus tiefsten Herzen, was wirklich sehr weh tut. Ich bin mir durchaus klar, das ich wirklich schwere Fehler gemacht habe, aber eins weiß ich mit Sicherheit, das ich immer gegeben hab was ich konnte. Weit über normale Schmerzgrenzen hinaus…. weil ich einfach nur eine „gute Mutter“ sein wollte. Ich wollte nicht, das sie in dieser Welt voll Schmerz, Demütigung und Gewalt auswachsen und doch muss ich am Ende feststellen, das sie es taten. Anders wie ich, aber auch nicht wirklich leichter.

Ich hab mich sehr viel in den letzten Wochen damit beschäftigt und auseinander gesetzt. Aber am Ende bleibt mir jetzt nur die Situation zu akzeptieren, loszulassen und meinen Kindern von Herzen viel Glück zu wünschen….

Vielleicht klingt, das alles ein bisschen unkonventionell und manch einer denkt sich jetzt, „Das kannst du nicht machen, denn du bist die MUTTER“
Dann vielleicht nur eins dazu, die beiden haben sich entschlossen mich zu „entsorgen“ und das sehr deutlich. …

Die Dinge loszulassen bedeutet nicht, sie loszuwerden. Sie loslassen bedeutet, dass man sie sein lässt.

In diesem Sinne wünsche ich euch alle einen schönen Muttertag und lasst euch verwöhnen 😀

Eure Janine



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