Meine Schwester

„Wer mit sich selbst in Frieden leben will, muss sich so akzeptieren, wie er ist. Intelligenz ist die Fähigkeit, seine Umgebung zu akzeptieren. Ich denke nicht daran, mich selbst einzuschränken, nur weil die Leute nicht akzeptieren, dass ich etwas anders mache!

Ein paar Einblicke ins Buch…………..

Das süße kleine Baby war auf einmal da und sogar mich konnte man endlich mal zu was brauchen. Schließlich war ich 5 Jahre alt, also Zeit zu lernen, wie man Fläschchen macht, Babys füttert und Windeln wechselt. Was war ich stolz und hoffte durch die Hilfe auch endlich mal Anerkennung zu bekommen. Nur einmal hören „Das hast du gut gemacht“

Es kann durchaus sein, das meine Mutter es mal hat verlauten lassen, aber leider habe ich daran keine Erinnerungen. Es sind immer die gleichen Sätze, die noch heute im Kopf hallen und mich ewig begleitet haben. „Schau dir deine Schwester an, sie schläft durch und ist so lieb“ „Wie kann es sein, das du nie was richtigmachen kannst, Cindy kann es doch auch?“

Trotzdem war ich unbewusst froh darüber, dass wenigstens eine von uns nicht „Böse“ geworden ist. Ich kann mich daran erinnern, das ich eines Abends mal mit Cindy im Arm auf der Coach saß und ihr die Flasche gab, denn es war meine Aufgabe sie dann ins Bett zu bringen. Keine Ahnung wo meine Mutter oder mein Stiefvater waren, wahrscheinlich mal wieder in der Kneipe oder sowas. Auf jeden Fall war es der Abend an dem ich meiner kleinen Schwester versprochen habe, immer auf sie aufzupassen. Ich habe mir von Herzen gewünscht, das sie nie im Leben, das fühlen und spüren soll, was ich schon erlebt habe. Denn wenn ich schon unbrauchbar für die Welt war, dann sollte sie wenigsten eine Chance haben. Ich wusste, was es heißt Schmerzen zu haben und konnte mir nicht vorstellen, dass dieses kleine, süße Wesen sowas aushält. Und ja, ich lebte in der Hoffnung endlich etwas „gut“ zu machen.

Brennendes Kinderzimmer (Ich ungefähr zwischen 5 und 6 Jahre alt, meine Schwester ein paar Monate alt)

Unser Kinderzimmer lag ja im Erdgeschoß und aus dem großen Fenster konnte man in den Innenhof schauen. Mein Bett (flache Schlafcoach) stand direkt gegenüber in der Ecke. Weit genug weg von allem, da ich ja immer noch das Bettnässenproblem hatte und alles vollgestunken habe. Neben dem Fenster stand ein kleiner Tisch mit einer kleinen Stehlampe drauf und das Babybett von meiner Schwester in der Nähe der Tür. Alles in allem war es ein großes Zimmer.

Ein einem ziemlich dunkelgrauen Tag hatte unsere Mutter einen Friseurtermin und ich durfte mal wieder auf Cindy aufpassen. Nachdem sie gefüttert und gewickelt war, wurde sie ins Bett gebracht und hat auch gleich geschlafen (was sie fast immer tat) und ich bekam den Auftrag, das Zimmer nicht zu verlassen. Mutti kommt zwischendurch mal kontrollieren. Kam sie auch, mit blonden Haaren, was total doof ausgesehen hat. Also ist sie gleich wieder zum Friseur und ich musste weiter im Zimmer bleiben…. Ich weiß nicht wie lange und bekomme auch nicht mehr alles genau in meine Erinnerung. Auf jeden Fall habe ich wohl für eine Weile am Tisch gesessen und gemalt, nur habe ich mich zwischendurch mal mit einem Buch ins Bett gelegt. Da es zu dunkel in meiner Ecke war, habe ich mir die Stehlampe (Lampenschirm habe ich auch abgebaut, um den nicht kaputt zu machen) vom Tisch mit ins Bett genommen, denn das große Licht war verboten am Tag. Aus Angst einzuschlafen, bin ich aber wieder aufgestanden und habe mich wieder an den Tisch gesetzt. Natürlich ohne die Lampe wieder auf den Tisch zu stellen. Ich hoffte inständig, das es jetzt beim Friseur gut läuft, denn ihre schlechte Laune musste ich ausbaden. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon in der Lage mich in andere Welten zu „träumen“, nur um mir nicht vor Angst vorher schon in die Hose zu pinkeln, denn ich wusste genau, wenn Ärger auf mich zukam. Nun an diesem Tag gab es den auch reichlich. Die Tür wurde aufgerissen und meine Mutter brüllte „Willst du uns alle umbringen oder was?“ Es war ganz seltsam, ich konnte sie hören und sehen, aber es war als wäre ich nicht wirklich da. Sie reisst Cindy aus ihrem Bett und brachte sie raus, kommt wieder und reißt die Fenster auf… Sie schreit immer noch während sie vollkommen ausser sich hin und her läuft. „Willst du deine Schwester umbringen?“ „Hast du jetzt komplett den Verstand verloren, du bist doch echt nicht zu gebrauchen“ Ich sitze immer noch wie versteinert auf dem Stuhl und schau zu, wie sie mein Bett aus dem Fenster schmeißt und immer lauter schreit… erst als ich aus dem Fenster fliege und hart auf dem Beton draussen lande, komme ich einen Moment zu Bewusstsein und registriere, das unser Kinderzimmer voller Rauch ist. Die Lampe ist wohl im Bett umgekippt und es hat angefangen zu brennen. Lange hatte ich nicht Zeit alles zu begreifen, denn sie stand schon vor mir und hat mich windelweich geprügelt. Sie war echt verzweifelt in dem Moment, wie konnte sie es denn nur in Zukunft mit so einem Versager wie mir aushalten….

Meine Schwester Heute?

Sie ist eine gesunde junge, starke Frau geworden und führt ihr eigenes Leben. Unser Weg hat sich vor ein paar Jahren entgültig getrennt, da sie unsere Familiengeschichte lieber verdrängt und für sich passend macht. Das ist für mich in Ordnung, da ich irgendwann aufgegeben habe zu glauben, sie würde mich verstehen können oder auch nur ansatzweise aktzeptieren. Statt dessen wurde ich weiter als Schuldige, als Aussätzige oder was auch immer behandelt und es wurde mit allen Mitteln versucht mein Leben zu zerstören, nur weil sie warum auch immer den Drang hat, die Bessere Schwester zu sein. Ehrlicherweise kann ich das bis heute nicht nachvollziehen oder auch nur ansatzweise verstehen. Deswegen hab ich für mich die Grenze gezogen und sie losgelassen. Ja, es ist schade und traurig, das wir so unterschiedlich wir auch unsere Leben führen, nicht zusammenhalten oder uns verstehen.
Jeder von uns geht seinen eigenen Weg und das ist gut so, denn jede hat es verdient glücklich zu sein.

Mache ich das hier alles aus Vergeltung?

Definitiv NEIN….

Es macht gar keinen Sinn die Schuld immer wieder hin und her zu schieben, denn es löst ja keine Probleme. Meine Geschichte zeigt nur deutlich wie Familienstrukturen dieser Art funktionieren.
Ich habe mich für diesen Weg entschieden, damit anderen geholfen wird. Was meine Familie davon hält ist mir im Grunde egal, denn es ändert nichts an der Geschichte, wenn wir sie leugnen, verscheigen und uns gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Mir ist heute durchaus klar, das meine Mutter, meine Oma und mit Sicherheit auch meine Ur-Oma eine eigene Geschichte haben, nur ich versuche auf meine Art diesen Täterkreis zu durchbrechen und zu verstehen und zu lernen diese Erfahrungen heute positiv zu nutzen.
Das kann man gut finden oder auch nicht. Nur werde ich meinen Weg und meine Ziele weiter verfolgen.

Heute gibt es auch mal ein Video zum Blog, das gut zeigt wie schnell Offer-Täter-Umkehr funktioniert…. Klick bitte dazu auf Watch on YouTube, da diesen Video erst ab 18 von mir frei gegeben wurde!


2 Gedanken zu “Meine Schwester

  1. Hallo janine, durch Zufall bin ich heute auf deinen Blog gestoßen und bekomme beim Lesen eine gänsehaut, da diese Geschichte fast 1:1 von mir sein könnte. So viel Gemeinsamkeiten zu meinem Leben, ist echt Wahnsinn….!!! Ich würde mich freuen wenn wir beide irgendwie in den Kontakt treten könnten? Viele Grüße aus Sachsen!

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